Zwischen 1990 und 2025 ist die CO₂-Konzentration der Atmosphäre um 72,90 ppm gestiegen. Dafür brauchte es 35 Jahre.
Für denselben Anstieg sind künftig 21 Jahre zu erwarten. Danach 15. Danach 11.
Das ist die Kernaussage des Dashboards von New Carbon Cycle, und sie beschreibt nicht die Konzentration, sondern das Tempo. Ein Anstieg, der eine Generation lang brauchte, fällt am Ende der Analysereihe in eine Dekade an. Fortgeschrieben mit der Schrittfolge einer Sieben-Jahres-Dynamik. Die Konzentration erreicht demzufolge 858 ppm im Jahr 2095.
Worauf stützt sich die Analyse?
Grundlage ist die längste zusammenhängende CO₂-Messreihe der Welt: mit den Jahresmittelwerten der Station Mauna Loa auf Hawaii, deren Messung im März 1958 begann. New Carbon Cycle schreibt diesen gemessenen atmosphärischen Trend fort. Sie ist die objektive Nettobilanz aus allen Quellen und Senken, natürlichen wie anthropogenen, erfassten und unerfassten. Emissionsinventare beschreiben, was in unvollständigen Konzepten und Methoden errechnet wird; die Messreihe bildet ab, was in der Atmosphäre ankommt. Die Verursacherfrage ist dabei egal. Das ist gut so — denn sie ist auch für die Wirkung auf den Wald nicht relevant.
Was das praktisch heisst, führt die Landnutzung vor. Beide Seiten sind Rechnungen: Für 2014–2023 verbuchen die nationalen Inventare sie als Senke von 3,6 bis 3,7 Gt CO₂e pro Jahr, die globalen Bilanzmodelle für denselben Zeitraum als Quelle von 5,2 Gt. Rund 8,9 Gt Unterschied im Jahr, aus derselben Fläche und demselben Zeitraum — die eine Rechnung sieht Gewinn, wo die andere Verlust bucht. Der Unterschied liegt in der Abgrenzung: Inventare schreiben jeden Fluss auf bewirtschafteter Fläche dem Menschen zu, die Modelle allein seine direkten Eingriffe (Lamb et al. 2026). Gemessen wird an anderer Stelle. Auf Mauna Loa wird Luft angesaugt und analysiert, und heraus kommt eine Zahl, über die sich nicht abgrenzen lässt.
Daneben stehen im Dashboard der fossile Weltverbrauch — 517,7 Exajoule im Jahr 2025 gegenüber 145,8 im Jahr 1965 —, die Entwicklung der Weltbevölkerung, fünf IPCC-Szenarien und zwölf Meilensteine der Klimapolitik von der Gründung des IPCC 1988 bis zur COP30 in Belém 2025. Ein erhellender Einblick, was bisher geschah und erreicht wurde — und wo die Reise hinführt.
Wichtig für Waldeigentümer
Waldvermögen wird über Jahrzehnte geplant, geführt, gehalten. Eine Baumartenwahl, die heute getroffen wird, trägt je nach Baumart weit über die 2080er Jahre (zumindest theoretisch) — sie liegt damit vollständig innerhalb des Zeitraums, den die Fortschreibung abdeckt. Verkürzen sich die Zeitfenster, in denen sich die Randbedingungen um denselben Betrag verschieben, dann verkürzt sich auch die Frist, innerhalb der eine Entscheidung noch revidierbar bzw. tragfähig ist.
Die erwarteten Auswirkungen sind dargelegt in: Flückiger, S. (2026): Resilienz auf Bestandesebene im Klimawandel — antifragile Konzepte für die Forstwirtschaft. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen 177(1), 46–48. https://doi.org/10.3188/szf.2026.0046
Daraus folgt keine einzelne Empfehlung. Es folgt eine Anforderung an die Art der Entscheidung: Asset übergreifendes Risiko-Management und konsequente Umsetzung. Wer sein eigenes Vermögen im Klimawandel stehen hat, kann die Verantwortung nicht auf nächste Legislaturen und Generationen schieben. Nicht steuerfinanzierte Waldeigentümer haben ihre "Skin in the Game" (Verweis auf N. Taleb, Skin in the Game).
Das Dashboard
Vier umschaltbare Ansichten: CO₂ und Klimapolitik, fossile Energie, Entwicklungsdynamik, Klimapolitik auf der Zeitachse. Wählbar sind vier Messzeiträume, fünf IPCC-Szenarien, die Bevölkerungsentwicklung und der fossile Verbrauch nach Energieträger.
Die Reihe, die Rechnung und die Quellen im Überblick: https://newcarboncycle.org
Direkt zum interaktiven Dashboard: https://newcarboncycle.org/nccdashboard.html
Einordnung: Die Fortschreibung ist ein offengelegtes Rechenmodell auf gemessenen Reihen, keine Prognose mit Eintrittswahrscheinlichkeit. Welchem der fünf IPCC-Pfade die gemessene Reihe heute tatsächlich folgt, zeigt das Dashboard. Es ist ein anderer als jener, auf den viele Planungsannahmen der letzten Jahre aufgebaut haben — machen Sie sich Ihr eigenes Bild.
Quellen
- Lamb, W. F., Andrew, R. M., Jones, M. et al. (2026): Differences in anthropogenic greenhouse gas emissions estimates explained. Earth System Science Data 18, 2549–2572. doi.org/10.5194/essd-18-2549-2026
- Flückiger, S. (2026): Resilienz auf Bestandesebene im Klimawandel — antifragile Konzepte für die Forstwirtschaft. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen 177(1), 46–48. doi.org/10.3188/szf.2026.0046
- NOAA Global Monitoring Laboratory: CO₂-Reihe der Station Mauna Loa, Messbeginn März 1958. gml.noaa.gov/ccgg/trends
- NOAA Global Monitoring Laboratory: Messverfahren und Kalibrierung der CO₂-Beobachtung (WMO-Skala). gml.noaa.gov/ccgg/about/co2_measurements.html
- New Carbon Cycle: Reihe, Rechnung und sämtliche Datenquellen des Dashboards. newcarboncycle.org
Die Einordnung aus Waldeigentümersicht ist eine Folgerung von Green Timber Consulting AG als international tätiger Waldvermögensberater und -verwalter, keine Aussage der zugrunde liegenden Datenquellen. Sämtliche Quellen sind im Dashboard unter Datenquellen aufgeführt.